Über Nussknacker

Seit Urzeiten sind Nüsse ein wichtiges Nahrungsmittel des Menschen. Ihren Ursprung haben die uns bekannten Nüsse in Vorder- und Mittelasien. Für Kelten und Germanen waren die Nüsse verehrungswürdige Früchte. Sagen und Märchen erzählen auch von        der Nuss als Fruchtbarkeitssymbol. Um an das Innere der Nüsse  zu gelangen, wird     bereits der steinzeitliche Mensch über Hilfsmittel verfügt haben. Das Prinzip ist: "Die   Schale wird einem harten Druck ausgesetzt, wodurch sie aufspringt. 1988 berichtet der Sammler Heidenreich, dass er in der Türkei noch Gegendengefunden habe, in der die Haselnuss mit den Zähnen aufgebissen worden sei!

Der älteste uns bekannte Nussknacker, ist ein aus Bronze gefertigtes Händepaar aus der Zeit um 400 v.Chr., aus Tarent in Italien.

Nussknacker arbeiten nach unterschiedlichen Prinzipien: mit Hebel, als Zange, mittels Schraube oder Stössel. Traditionell werden sie aus Holz oder Metall, neuerdings auch   aus Kunststoff oder Glas hergestellt. Hölzerne Nusszangen (auch als Nussbrecher bezeichnet), sind seit dem Mittelalter beliebt und wurden zunehmend  mit künstlerischen Verzierungen versehen. Aus Nützlichkeit oder auch mal aus Spottlust, die figürlichen Darstellungen beginnen im 16.Jh.. Sie sind bei Sammlern sehr beliebt. Es handelt sich hierbei um geschnitzte Nussknackerfiguren zum Teil als Karikaturen mit markanten Zügen. Seit dem 19.Jh. sind auch Tiergestalten populär. Hölzerne wie Metall- Nussknacker werden hauptsächlich in Europa hergestellt. Die Industrialisierung bringt uns durch die  billigeren Massenanfertigungen, oft Nachbildungen historischer Vorbilder, Hebelknacker oder Nusszangen aus Metall.   Schraubennussknacker finden wir seit dem 17 .Jh.! Um 1745 wird erstmalig erwähnt, dass "Nussknacker aller Art mit Schrauben aus dem Erzgebirge", angeboten wurden. Der "Mörser" findet wenig Verbreitung. Zwar wird die Nuss mit einem Schlag geknackt, jedoch springen nicht nur die Schalen in alle Himmelsrichtungen, auch wird der Kern oft zerquetscht.                                                                                 

                                            

 

Die Herkunft

Die Herstellung von Schnitzarbeiten bot sich in waldreichen Gegenden an.  Ursprünglich ist die Herstellung der Nussknacker allerdings nicht im Erzgebirge zu suchen. Während der Wintermonate und in schlechten Zeiten war es die einzige Möglichkeit der Kleinbauern und Bergmännern, mit ihren Familien einen Nebenverdienst zu erreichen. Im Grödner Tal, im Berchtesgardener Land, in Tühringen und dann später im Erzgebirge, hat die Herstellung von Holzwaren und Spielzeugen eine lange Geschichte.

Tiermotive bei Nussknackern finden wir besonders im Alpenraum. Verzierte, hölzerne Nusszangen kommen aus Osteuropa. Der Nussknacker in Menschengestalt, hat seinen Ursprung im Alpenraum. Der älteste erhaltene Nussknacker ist ein Bettelmönch aus dem Jahre 1591. Zwei Jahrhunderte lang wurden in dem Südtiroler Bergdorf Görden, geschnitzte Nussknackerfiguren  hergestellt. Sie stellen unter anderem geschnitzte Karikaturen, z.B. Dirnen, Mönche, und Krüppel dar. Zu Beginn des 20 Jh. wurde die Produktion eingestellt.

In den Nussknackern aus der Röhn finden wir geschnitzte Figuren mit freundlichen Zügen. Ein immer wiederkehrendes Motiv ist das Eichhörnchen. Daneben aber hauptsächlich die Gestalten von Soldaten, Polizisten und Königen, Förstern und anderen Amtspersonen, die so den einfachen Leuten zu Diensten sein sollten. Diese naive Form der Sozialkritik war nicht frei von Häme. Die Nussknacker, zum Beispiel Repräsentanten der Obrigkeit, mussten schließlich die ganze Adventszeit über Sklavendienste für die armen Leute leisten. Außerdem zeigten sie symbolisch, angesichts der schlechten sozialen Lage, dass es endlich galt: "harte Nüsse zu knacken"! Figürliche Nussknacker werden auch als Napoleon, Bismarck, und den heutigen Politikern gestaltet.

                                                      August der Starke

 

Der Nussknacker

Der "echte" Nussknacker aus dem Erzgebirge war über Jahrzehnte ein gefragter Exportartikel der DDR, jedoch im eigenen Lande knapp. Deshalb wurde er in seiner gedrechselten Form auch allgemein in der volkskünstlerischen Laienbewegung, auch im westerzgebirgischen Schnitzgebiet, gepflegt.    Es gibt in Deutschland eine Reihe von Herstellern auch außerhalb des Erzgebirges. Erinnert sei an die Firma Steinbach GmbH, Deutsche Volkskunstwerkstätten in Hohenhameln, aber auch an die kopierende Billigkonkurrenz aus China und Taiwan. unübersehbar ist die Fülle der Motive geworden, oft werden Figuren historischer Ereignisse, speziellen ethnischen Vorstellungen und regionalen Wünschen angepasst. So lieferte die Hodrewa GmbH Rothental Nussknacker  im Golfkrieger-Look mit Sternenbanner und Sturmgewehr zu Legionen in die USA..... Traditionspflege?

Die Typenvielfalt erklärt Stefanie Ludwig so: "Kamen und kommen aus dem Erzgebirge traditionell ausschließlich Variationen über die Themen König, Soldat, Gendarm und Förster, so gibt es in den übrigen Angebotslisten fast nichts, was es nicht gibt. Historisch/ literarische Gestalten wie Uncle Sam, Hermann der Cherusker, August der Starke, Graf Luckner, Kolumbus, St. Patrick, Dr. Eisenbarth, Mozart, Chopin, Dr. Watson und Sherlook Holmes, weitere Bewohner nicht-deutscher Regionen (Cowboy, Ölscheich, Dudelsackpfeifer). Besonders groß ist die Zahl der Berufe: Bäcker, Metzger, Schornsteinfeger, Schmied, Arzt, Golfer, Geigenbauer, Fischer, Postbote, Matrose, Schäfer, Feuerwehrmann, Uhrmacher, Nachtwächter, Bauer, Apotheker, Schuster, Töpfer, u.s.w..

Aus: Manfred Bachmann, Der Nussknacker als Figur, 1993